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LIEBE LÖFFELFÜSSLER,
so lange schrieb ich euch nichts mehr, dass es mir liebe gewohnheit
geworden ist, mit der ich nicht brechen möchte.
bevor ich mich wieder zurück in das schweigekloster begebe, in dem ich seit
nunmehr 5 jahren mit meinem dobermann lebe, ein text, der deutschen die
jetzt auch dringend unbedingt sofort in die schweiz ziehen wollen , lehre
seien möchte.

Ich war neu damals in der Schweiz, vor gefühlten hundert Jahren, und
unternahm allerlei seltsame Ausflüge, von denen ich mir ein schnelleres
Verständnis meiner neuen Heimat erhoffte. Für jenen reizenden Tag im
Frühling hatte ich mir eine typische schweizerische Route ausgesucht-ich
wollte mit einer sehr steilen kleinen Bahn auf einen Berg fahren, was die
Schweizer sehr gerne machen: Auf ihre eigenen Berge fahren, und
runterschauen. Die Standseilbahn war überfüllt, schob sich Bergan, um auf
halber Strecke mit einem Geräusch das nach Zahnarzt klang, Kieferbruch
mittels Kieferbruchzange, hängen zu bleiben. Wenig elegant federte die
kleine Bahn nach, das Gleis sehr steil, die Welt sehr weit unten. In der
Bahn war-nichts zu hören. Die Menschen redeten leise, weil, wie ich später
herausfand, Schweizer meist leise sprechen. Zehn Minuten vergingen, in
denen für mich, aus dem Land der lauten Stimmen kommend, befremdliche Ruhe
herrschte. Keiner schien nervös, wurde hysterisch oder regte sich über:
Die da oben–auf. Erstaunt beobachte ich die mir fremde Rasse. Irgendwann
sagte ein Herr: Jo, ich lueg emol, ob öpper ans Telefon goht.“
Beistimmendes Murmeln. Eine Mutter erklärte ihrem Kind:
Wenn’s Seili risst, den fahrt s’ Bähnli ganz schnäll abe.
Und dann? wollte das Kind wissen. Dann detschts, sagte Mama und damit war
das Thema besprochen
Der Herr hatte unterdes einen beeindruckenden Dialog am Telefon:
Excuse, mir händ do äs chlises Problem. S`Bähnli bewegt sich nid.“ Aus dem
Lautsprecher tönte eine langsame Stimme:
Jo, denn müend Sie sich jetzt ganz ruhig hebä.“
Nach einer weiteren Viertelstunde ruckelte die Bahn und wurde zur
Endstation gekurbelt, vermutlich von Schweizer Hand, die Türen wurden
aufgestemmt, die Fahrgäste bedankten sich und gingen ihrer Wege.
Dieses für mich erstaunliche Ereignis wurde, auch wenn ich es erst Jahre
später zu verstehen wusste, der Schlüssel zum Verständnis des Landes.
Gibt es etwas wie den Charakter eines Volkes, so ist es beim Schweizer die
größtmögliche Abwesenheit von Angst, die ihn definiert. Außer der Sorge,
anderen auf die Nerven zu gehen, fürchtet er sich einfach weniger als
andere Menschen. Beides erklärbar, das eine mit nicht stattgefunden Krieg
in den letzten Generationen, das andere mit der nicht vorhandenen Größe des
Landes, da man davon ausgehen muss, jeden mindestens zweimal zu treffen in
seinem Leben. Die Abwesenheit von Angst klingt im ersten Moment wie eine
Nebensächlichkeit, doch betrachtet man den Umstand genauer, erkennt man,
dass der Charakter des Landes wesentlich davon geprägt wird. Man hat hier
weder Angst freundlich zu sein, noch sein Gesicht zu verlieren, man
fürchtet sich nur unwesentlich vor Verarmung oder davor, etwas zu
verpassen. Zu untersuchen ist das am besten, in den Urgemeinden der
Innerschweiz und auf den Bergen, wo es Menschen gibt, die Kristalle aus
dem Berg kratzen, oder der bärtige Mann, den man als arroganter Städter
schon als Hinterwäldler klassifizieren wollte, sich als Weltreisender
herausstellt, der nebenbei ein Kinderheim im Nepal aufgebaut hat. Ich traf
in anderen Ländern scheinbar offenere Leute die besser zu feiern verstanden
oder auf Tischen tanzten– Angenehmere Menschen als in der Schweiz habe ich
noch nirgends vorgefunden. Sicher leben auch hier charakterlich
Deformierte, Habgierige, Neidische, Spitzel und Stänkerer, doch sie
bestimmen den Charakter des Landes noch nicht.
Um zu spüren, was ich an diesem Land so liebe, langt es, Zürich zu
verlassen, die Stadt, in der die Angst zunimmt, das Tempo und die
Eigentumswohnungsneubauten, und über Land zu fahren. An den Häusern vorbei,
in denen vielleicht die Hölle herrscht, wer kann das wissen, die jedoch von
außen eine so grandiose Mischung von bäurischer Boheme ausstrahlen, dass
ich mir wünsche, in einem dieser Orte geboren zu sein, in Langnau, im
Muothal, Hausen oder Weggis und dazu zu gehören, zu diesen furchtlosen
netten Leuten. Aber das wird wohl in diesem Leben nichts mehr, denn obwohl
die Schweizer keine Angst vor Fremden haben, so richtig lieb haben werden
sie sie nie.

bis bald an dieser stelle , einen niedlichen frühling
euer aller anschmiegsame
frau berg

wie immer ausnahmslos freundliche mails an:

mailto: postvonfrauberg(at)sibylleberg.ch

Das ist alles nur geklaut. ;) Ist m.E. trotzdem einen Blog-Statement wert.
Hatte aber noch keine Zeit mich mit der Studie zu beschäftigen. Vielleicht möchte wer anders was dazu sagen?

Mit der Studie „Print und Online – komplementär erfolgreich“ präsentiert Hubert Burda Media im Rahmen der internationalen Zukunftskonferenz DLD eine repräsentative Studie zur Nutzung von Zeitschriften und ihren Onlineangeboten. Als erstes Medienhaus Deutschlands zeigt Hubert Burda Media damit den komplementären Nutzen von Zeitschriften und den dazugehörigen Internetangeboten auf. 82 Prozent aller Befragten lesen Zeitschriften und nutzen in gleichem Maße deren Onlineangebot.

[...]

Die neue Studie von Hubert Burda Media gibt zudem Auskunft über zahlreiche Details der Zeitschriftennutzung (wie etwa bevorzugte Leseorte, Nutzungsintensität und -motive, Lesegewohnheiten, Multiplikatorenwirkung und vieles mehr). Darüber hinaus untersucht die Studie, wie über Zeitschriften in Internetforen diskutiert wird.

Quelle und Download als *.pdf hier.

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58. Filmfestspiele in Berlin
Große Literatur, großes Kino: Die Frankfurter Buchmesse auf der Berlinale.

Es ist wirklich eine Überlegung wert, ein Bahn-Ticket für dieses Event zu buchen.

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viel freude

in eueren unglaublich reizenden familien, wenn ihr tut, was menschen tun
müssen.
kauft schnell noch ein geschenk.

http://www.amazon.de/Die-Fahrt-Sibylle-Berg/dp/3462039121/ref=pd_bbs_sr_1?ie=UTF8&s=books&qid=1198398020&sr=8-1

lest das neue LITERATUREN durch, frau löffler über arme schriftsteller, udn
kauft das o.g buch grad 2 mal.
von nichts kommt nichts.

vielen dank udn ein süsses fest euch allen!

eure  verstörend niedliche frau berg

weihnachten daheim
Prolog
Wenn man den Ort, an dem man geboren wurde, und größer, verlässt, wird man
vielleicht einen angenehmen Platz zum Leben finden. Neue Bekannte, schöne
Bäume, hübsche Strassen. Alles kann man finden, vielleicht ist es besser,
als das was man aufgab, meist ist es nur anders und das Recht auf HEIMAT
hat man verwirkt. Sie hätte nie geglaubt, das sie  den dermaßen von ihr
selbst missverstandenen Begriff HEIMAT jemals auch nur denken würde. Lange
glaubte sie , überall leben zu können, frei von sentimentalen Gerüchen doch
dann begriff sie die eigene Beschränkung. Sicher konnte sie  irgendwo sein,
staunen kann man überall und sich bewegen und leben, doch nach einiger Zeit
überall, beginnt man sich doch zu sehnen. Nach Menschen, die einem  ähnlich
sind, nach Systemen und Werten, die einem  vertraut . Sie begriff, das sie
nie das Gefühl kennenlernen würde, eine Heimat zu haben, wenn sie es mit
ihrer alten Heimat nicht noch einmal versuchen würde. In der Zeit der
Versöhnung.

5 Tage davor

Sie stand vor dem Bahnhof. Das Herz schneller , alles schnell, der Atem,
das Leben, das jetzt beginnen würde, an jenem Tag, an dem es so hell war,
wie um sie auszuleuchten, von allen Seiten sah sie anders aus , als was
hätte keiner sagen können, aber es wirkte , als gehöre sie nicht vor diesen
Bahnhof, auf diese Allee, die sie nun in die Stadt hinab lief.  Nach 20
Jahren war sie  zurückgekommen. Als es egal geworden war, wo eines wohnt,
weil es begreift, das man nur  in sich wohnt und so weiter, war sie
zurückgekommen, denn  im Gehirn des
Menschen sitzt ein  Virus, der schlechte Erinnerungen aufisst, so waren ihr
nur Bilder geblieben, von stillen kleinen Gassen im Regen, der auf
Kopfsteinpflaster glänzt. Von einem Park im Nebel, und Fachwerkhäusern im
Sonnenschein. Eine  Stadt in der jeder jeden kennt.
Sie  hatte in Städten gelebt in denen man noch nicht mal mehr sich selber
kennt, und es waren schöne Bilder gewesen, darum. Sie hatte vergessen,
wovor  sie geflohen war. Alles vergessen und sie war zurückgekommen aus der
Sehnsucht nach einer Heimat heraus, wegen eines Gedankens an
Weihnachtsbäume  und kultivierten Menschen, die einander noch mit Namen
ansprechen. Hatte sich ein Zimmer
gemietet, und schaute aus dem Fenster auf einen kleinen Platz und dachte an
Spitzweg und Frieden.
Der erste Spaziergang durch die Stadt am Nachmittag ihres  neuen Lebens.
Ein paar Läden mehr, ein paar Fassaden neu, und doch das Gefühl, als habe
sich nichts verändert. Seit 20 Jahren oder 200. So hell die Sonne, so sanft
der Schnee, so weich der Schritt   durch die Seifengasse, in den Park, sah
das Gartenhaus, die Ilm, kam  zurück zum Markt, auf dem Thüringer Bauern
Weihnachtsbäume verkauften , handgeschnitzt,  nebenan, aus der
Musikhochschule Geigenspiel. Als sich gegen 10 die Stadt  schlafen legte,
die Menschen von den Strassen verschwanden, nur noch sie  durch den
Winterabend zu ihrem Haus lief, der Wind sie streichelte, von weit entfernt
ein Trabant der knatterte, dachte sie, endlich angekommen zu sein. An einem
Ort, an dem ihr nichts mehr passieren könnte, weil er ihr war, wie  eine
Mutter. Sang er sie in den Schlaf, und die Luft  so süß, durch das offene
Fenster, in der Nacht.

4 Tage davor

Es schien ihr, als sei jeder Stein der kleinen Stadt Kultur. Jedes Haus
berührt, vor langer Zeit von einem, der die Welt geprägt. Schiller, Goethe,
Liszt, Herder, Klee, van der Velde, und sie fasste  jedes Haus, jeden Baum
und schaute danach ihre Hand an, wie ein gerade benutztes Taschentuch,
schaute, ob etwas Genialität darin wäre. Sie kletterte in den künstlichen
Ruinen im Goethe Park herum, las die Inschrift im Felsen unter dem
Römischen Haus und hatte das Gefühl, das an einem solch gesegneten Platz
nichts Böses vorzufinden wäre. Sie berührte die Bauhaus Schule, das Haus
der Frau von Stein,
sie wanderte nach Tiefurt und Belvedere und abends saß sie im
Residenzcafe und war von Freude erfüllt, diesen Ort für sich
wiedergefunden zu haben, in dem es keine Uhren zu geben schien, keinen
Kapitalismus und nichts Arges. Die Blicke der Menschen deutete sie als
Freundlichkeit.  Schnell kannte man sie in der Stadt in der jedes auffällt,
das länger als zwei Tage verweilt und schon bald grüßten die Verkäufer in
den Läden sie mit ihrem Namen. Leicht war ihr, getragen von der familiären
Liebenswürdigkeit der kleinen Stadt, die  eigentlich zu provinzieller
Borniertheit geboren, so offen war, so voller Kultur, ihr war, wie das
Modell einer besseren Welt. Sie saß unter den Lauben auf  dem Goetheplatz
und sah die Touristen, die in Bündeln  das Goethehaus betreten durften, auf
das
es sich nicht übergäbe, und freute sich, das all die Studienräte und
Kunsthistorikerinnen wieder abreisen mussten, während sie bleiben
durfte.

3 Tage davor.

Sie malte Bilder oder sang Lieder, es ist egal an dieser Stelle,
irgendetwas machte sie , das keiner benötigte und sie tat es lauter, als es
gut für die kleine Stadt gewesen wäre, oder bunter, oder größer. Und
glaubte doch , das die Atmosphäre der kleinen Stadt ihr gut täte, spürte
das zischeln nicht, die Augen nicht , ging strahlend durch die Stadt ,
freute sich an den jungen Menschen, die in den  Autonomen Cafés saßen und
die Welt neu erfinden wollten, dachte an
Künstlerkolonien, an Worpswede, an Santa Fee, sie hatte das Gefühl, im
Bademantel durch ihre Wohnung zu laufen, so gemütlich war es ihr, durch die
Gassen zu schleichen. Manchmal hatte sie Kopfschmerzen, und dachte, dass
irgendetwas mit der Luft nicht in Ordnung wäre. Doch das verging ihr rasch
wieder, das Gefühl.

2 Tage davor

Sie hatte zwei Frauen reden hören. “Da kommen sie , aus dem Westen und
denken , sie wären was besseres“ sagte die eine. „Ne typische Asoziale, das
sieht man doch sofort“ erwiderte die andere. Minuten später merkte sie,
dass die Frauen von ihr gesprochen hatten. Das verunsicherte sie  und an
jenem Tag lief sie schneller durch die Stadt. Sie sah Ablehnung in den
Augen der Menschen, merkte, dass einer vor ihr ausspuckte. Sie brauchte
einige Zeit, um sich zu sammeln und sagte sich dann, dass es dumme Menschen
doch überall gäbe, dass sie doch schon immer ein Außenseiter gewesen, das
die Menschen vernichten wollten was ihnen Angst macht, alles ihnen Angst
macht, was von der Norm abweicht. Doch das schlechte Gefühl an jenem Tag,
verließ sie nicht und die Häuser der kleinen Stadt, schienen auf einmal
enger zueinander zu rücken, als wollten sie ihr den Weg
versperren.

1 Tag davor

Sie hatte sich an die Geschichte der Stadt  erinnert, die keiner heute mehr
kennen mochte. Das kurze Aufbäumen  gegen ihr provinzielles Schicksal, doch
schon nach Goethe war das wieder vorbei und alle gescheitert, die die Stadt
beleben wollten, die danach kamen, denunziert, verraten, aus der Stadt
getrieben. Liszt, Harry Graf Kessler, das Bauhaus, verspottet in der
Zeitung der Stadt, die damals wie heute  von Kleingeistern gefüllten
Seiten,  vertrieben, mit Steinen aus der Stadt gejagt, alle , außer Hitler.
Sie erfuhr über die Gesetzmäßigkeiten kleiner Residenzstädte  die macht,
das
die Menschen Lakaien  sind, die auf einen neuen Führer warten. Einen
Monarchen, einen Diktator, gleich was, das sie lenken könnte, zu dem sie
aufschauen mögen. Und eine Residenzstadt mit dem kulturellen Hintergrund,
auf dem sich wohl ausruhen ist, sich keiner anstrengen muss, der  macht
Selbstzufriedenheit und verwehrt allem, was nach Anarchie riecht den
Eintritt. Als die Weimarer nach Kriegsende zum
KZ  Buchenwald getrieben wurden, um sich Knochen anzusehen,  skelettierte
Gefangene in Bergen geschichtet anzuschauen, weinten manche. Um schon kurz
danach wieder nichts zu wissen vom KZ, von Toten, es war doch wohl alles
nicht so schlimm gewesen. Schlecht schlief sie in jener Nacht , und eine
Angst in ihr , die ihr den Schlaf verwehrte, und deren Ursprung sie nicht
genau hätte benennen können, den draußen auf dem kleinen Jakobskirchhof
schrieen Winter Vögel, doch vielleicht waren es keine Vögel, sondern
Maschinen,  was denke ich, dachte sie, ich will doch nur meinen Frieden
finden. Und in der Nacht, sah sie sich laufen, verfolgt von den kleinen
Häusern, den kleinen Bürgern, die Treppen zum Schlossturm nehmen, und alle
klatschten, als sie ihren Körper der Ruhe übergab. Sie lag vor dem
Schlossturm. Auf dem Platz davor, auf den Steinen davor, das Gesicht
darauf, im Dreck, das Gesicht , und um sie die
ordentlichen Bewohner der Stadt, die selbst wenn sie sich als
Künstler verkleiden noch nett anzusehen sind, standen um sie,
schweigend, und sie erwachte aus dem Traum, die Luft so süß und  dachte
kurz benommen, ich muss hier weg, so schnell es geht. Und schlief darüber
ein, tief wie bewusstlos.

Heiligabend

Misstrauisch ging sie durch die Stadt. Die drolligen kleinen Häuser
schienen ihr , wie Papp-Fasssaden hinter denen das Böse wohnt, vielleicht
wohnt Hitler noch hier, ist gar nicht tot, und sie spürte, das sich ihr
Geist verwirren wollte. Hinter den Fenstern Blicke durch die Gardinen, die
ihr folgten , Touristen die muffig rochen, nach der Zufriedenheit des
gebildeten Bürgers, die durch die Strassen liefen, keiner schaut  sich
Buchenwald an, es verträgt sich nicht mit dem Bild  der Kulturstadt.  Noch
mehr Farbe auf die bröckelnde Fassade, noch mehr Konzerte im Schlosshof,
und Kunst auf die Bühne. Selbstgefällige Professoren, Heimatkünstler, die
die Tage in Kaffees versitzen, wie bezahlte Kulissen, Bildungsbürger,
Kleinstadtkönige, und fast ist ihr, als spürte sie einen Stein im Rücken.
Die Stadt voller Beta-Menschen, uniform und bescheiden in sich und die, die
anders sind, gehen, wenn
sie noch können, wenn sie nicht gelähmt sind, durch die Gase der
Zufriedenheit, die die kleinen Häuser absondern - die Bibliothek ist so
schön, und unser Theater, das tanzt sogar ein Neger. Und die Jungen, die
sich aufbäumen, kurz, gegen das Gift, vielleicht schaffen einige die
Flucht, gehen in die Welt, aber sie sollten sie zurückkehren, stolz wird
keiner auf sie sein. Fast meint sie,  Gas riechen zu können, die Sonne
scheint zu hell.

  20 Tage danach

Da geht sie. Sie hat ein unauffälliges Kleid an, sie trägt eine Brille. Sie
hat ein Theaterabonnement und träumt von einem Platz, später, im Seebach
Stift. Sie geht lächelnd durch ihre kleine Stadt und schreibt Gedichte über
sie, sie malt Aquarelle und redet gerne mit einem befreundeten
Musik-professor. Sie hat sich einer Gesellschaft  angeschlossen, die das
Kulturgut pflegt. Sauber hält von negativen Einflüssen. Das sind alle. Sie
ist stolz auf das Bauhaus. Stolz auf Goethe, als wäre er ihr Geliebter, dem
sie die Ehe im Himmel zugesichert. Manchmal sagt sie, dass hier alles so
borniert sei, aber es ist, wie über das Wetter schimpfen. Sie nimmt tiefe
Züge der Luft, die hier süßer schmeckt, als anderswo.

–
Wenn Sie keine E-Mails von Frau Berg erhalten möchten,
http://www.sibylleberg.ch/hauptframe.htm

gute laune mit frau berg

 

liebe knaufhufler,

es wäre zu einfach euch einen depressiven wintertext zu schicken, nur weil
aus versehen dunkel herrscht vor der tür. ein depremierender sommerstext,
dass ist, was einem jetzt weiterhelfen kann. wenn es im sommer auch mies
ist, kann man jetzt auch durchhalten.und sich die zeitschrift mit dieser
nackten ex fusballergattin kaufen, retouschierte bilder ansehen, und dazu
die ex-fusballergattin im fernsehen reden hören: ich wollte allen frauen
über 40 mut machen. sagt die dame mit käsebrotintelligenz und meint damit:
wer sich in dem alter noch nackig fotographieren lässt und damit jedes
vorurteil über damen füttert, hätte sich auch bereit mit 18 die lampe
ausblasen können, und prost also auf das überleben als amöbe.
und jetzt --ein bisschen sommer in eure wintermuffigen hauptquartiere---

Fast  50% der Bindungsfähigen Erwachsenen in Europa sind alleinstehend,las
ich und  das ist viel. Fast die Hälfte.Da muss man ja völlig umdenken,denn
das ist ein prächtiges Markensegment zum Beispiel für Reisefüher.
 Es gibt ja Sachen, die gehen Alleinstehend gar nicht. Alleinreisend noch
viel weniger.
Zürich zum Beispiel.
Zürich ist unbedingt eine Reise wert. Es ist nah von überall, HATTE eine
schöne Airline und ist so angenehm teuer, das man hier kaum betrunkene
Kegelreisende trifft. Es ist eine Stadt, die  unbedingt für Alleinreisende
taugt. Bedingt. Also-
Jahreszeitenbedingt. Im Winter ist es hier so blöd wie überall. Dunkel,
Regen, und ihr steht auf der Strasse, nass und kalt wie ein Hund, in den
Häusern kleine Familien (so um die1.50)  sitzen und Kaminfeuer brennen und
alle sagen : ich liebe dich Daddy. Auch der Daddy selbst würde das sagen
und die Familie würde sich umarmen und  wären sie keine Familie sondern
ein Paar, dann würden sie sich halten, in Bauernbetten mit karierter
Bettwäsche,  während draußen der Schnee die Welt leise atmen macht und Oma
wär noch am Leben und brächte Kuchen.Und so weiter, aber nehmen wir an es
ist warm---  das geht wunderbar.Wenn es hell ist.Tagsüber --prima, kein
Problem einsamer Mensch. Du  läufst durch die Stadt, die den unbedingten
Vorteil hat, das man durch sie eben laufen kann. Von einer Ecke zur
anderen, alles mit Füssen machbar. Will man nicht mehr mit den Füssen, dann
leiht man sich ein Rad, das ist hier umsonst, um die Umwelt zu streicheln.
Zürich, bye the way ,im Sommer ist ein einziges Streicheln. Die Luft ist
Luftwarm, die Menschen angenehm leise und uninteressiert, in der genau
richtigen Dosierung: Freundliches schauen, kein blödes anquatschen.Keine
Sorge muss man haben um seine Besitztümer, denn wo auch immer du herkommst:
es ist für die Schweizer die 3.Welt.Der Alleinreisende, einsame Mensch kann
also ungestört herumlaufen und fahren, alle 3 Meter gibt es feinen Kaffee,
frischen Saft, hübsche Läden, in denen er sich nichts kaufen kann wegen zu
teuer, und klares Wasser. So klares Wasser, das es albern wirkt, in
Kombination mit den weißen Alpen irgendwo weiter hinten. Und überall hat es
Badeanstalten. Am Fluss am, See, Hunderte. Die meisten aus Holz und sehr
alt, mit Türmchen und verrosteten Schildern, die einem lehren nicht ins
Wasser zu spucken,mit sauberen Wiesen und gesiebtem Strand,mit  kleinen
Kiosken in denen  wunderbarer Kaffee und frischer Saft, frische Kuchen und
Salate verkauft wird. Leise ist es, gepflegt dümpelt die Stadt und Kinder
wurden in Akademien zum Schweigen erzogen. Gesittet und ebenfalls
wunderschön laufen sie mit entspannten Kindergesichtern herum.Man könnte
eine ganze Woche damit zuzubringen den See zu umrunden, der in den Fluss
übergeht, und alle zehn Minuten könnte man sich in einer neuen Badeanstalt
aufhalten.Wunderbar, denkt man sich, als Alleinreisender und ist mit nichts
auf die Gefahren der Dunkelheit vorbereitet. Die Haut so frisch vom
schwimmen, der Bauch so angenehm gefüllt mit feinen Speissen fürchtet man
nichts, doch schleichend, böse, wenn dann der Abend langsam kommt, die
Restaurants sich füllen, die Luft voll mit teurem Parfüm und Seide und der
Boden aussieht wie Marmor, wird der Alleinreisende auf einmal schwer. Er
weiß noch nicht zu sagen warum, vielleicht ist es das zuviel an Perfektion,
die ihm die eigene Vergänglichkeit klar macht. Die Stadt wird leise, Gläser
klirren, Amseln beginnen ihre Arbeit.Die Badis verwandeln sich zu
exotischen Bars, wenn die Nacht eintritt.Farbiges Licht, Fackeln,
Sitzkissen, Wasser gluckert, Luft streichelt. Und da sitzt er dann , der
alleine Mensch.Die schönste Badibar ist die ,in der unter Tag koschere
Judenmänner schwimmen, ein uraltes Ding, mitten in der Stadt an einem
kleinen Flussausläufer. Hügel beschützen sie, Holz verwahrt vor neugierigen
Blicken, und in der Nacht ist man hier, wie auf einer Insel, in Asien, oder
in einer besseren Welt. Es riecht so , wie es an Flüssen in einer
Sommernacht riecht. Ab und zu sieht man ein hübsches  Mädchen leise ins
Wasser gleiten, überall zarte Gespräche, sanfte Luft und für soviel
Schönheit ist keiner alleine eingerichtet. Was kann man da tun, alleine,
auf einem Sitzkissen, Fackeln werfen perfekte Schatten, das Getränk hat
genau die richtige Temperatur--soll man mit sich reden? Mit einer
Taschenlampe Murakami lesen? Nichts kann man machen, außer sich vielleicht
betrinken, was die Sache aber auch nicht leichter werden lässt. Hier
inmitten des Traumes einer besseren Welt,in der es keine Angst gibt und
keine Not, keine Hässlichkeit und Krankheit, sitzt man und sieht sich :
ALLEIN.
Und dann, auf einmal, wo doch alles so perfekt ist, möchte man nicht mehr
hier sein. Am besten nicht auf der Welt und wenn das zu kompliziert ist
vielleicht einfach nur im Bett , irgendwo wo es normal hässlich ist und
kalt. Wo es nicht weiter auffällt, das da niemand ist, der gut riecht,
dessen Hand man halten kann, der einem leise Schwachsinn erzählt, bis man
müde wird, der dann fragt bist du müde, wollen wir zu Bett? Und dann bleibt
ihr noch ein wenig , fast schlafend, und seht all das Heile um euch , und
es ist nicht mehr als eine Fototapete, und das Wasser macht nur für euch
Geräusche, und es ist schön,. wegzugehen aus der Badi später , irgendwo auf
dem Bauch eines anderen Menschen dann schlafen zu können, und es könnte
überall sein. Doch all das ist nicht, merkt der Alleinreisende Einsame, es
ist ein verdammter geborgter Traum, in dem du sitzt, alleine in der Nacht
und dann wirst du wieder heimfahren müssen, wo hin, da es garantiert nicht
schöner ist, aber der Alltag ist da, UND DU BIST ALLEINE. 

Nie, und merken sie sich: nie sollten sie einsam in der Nacht in Zürich
unterwegs sein, und sehen sie eine dieser Badeanstaltenbars, die sie lockt
mit Fackeln und leisem gluckern: laufen sie, laufen sie um ihr schönes
einsames Leben.

wie immer ausnahmslos freundliche mails an:

sibylle berg